Was ist Knochenersatzmaterial? – Grundlagen, Einsatzgebiete und Vorteile

In der modernen Zahnmedizin ist Knochenersatzmaterial unverzichtbar, wenn es um den Erhalt oder Wiederaufbau von Kieferknochen geht. Besonders in der Implantologie, Parodontologie und Oralchirurgie spielt es eine zentrale Rolle, um stabile Voraussetzungen für langfristig erfolgreiche Behandlungen zu schaffen.
Warum wird Knochenersatzmaterial benötigt?
Zahnverlust, Entzündungen oder Unfälle können dazu führen, dass sich der Kieferknochen zurückbildet. Ohne ausreichendes Knochenangebot ist eine sichere Verankerung von Zahnimplantaten nicht möglich. Knochenersatzmaterial wird eingesetzt, um:

  1. Knochendefekte aufzufüllen (nach Zahnextraktionen, Trauma oder Infektionen)
  2. Den Kiefer für Implantate vorzubereiten (Sinuslift, Augmentation)
  3. Den Knochenabbau bei Parodontitis zu stoppen (regenerative Verfahren)
  4. Das Weichgewebemanagement zu unterstützen (Membranen und Fixationssysteme)
 

Arten von Knochenersatzmaterial


Nicht jedes Material ist für jede Indikation geeignet. Je nach Herkunft und Eigenschaften gibt es unterschiedliche Kategorien:
  • Autologes Knochenmaterial (eigener Knochen, z. B. aus Kiefer oder Beckenkamm)
  • Xenogenes Knochenmaterial (tierische Herkunft, z. B. bovin oder porcin)
  • Allogenes Knochenmaterial (menschlicher Spenderknochen)
  • Synthetisches Knochenmaterial (künstlich hergestellte Materialien, z. B. β-Tricalciumphosphat)
Jede dieser Varianten bietet spezifische Vor- und Nachteile in Bezug auf Resorptionsverhalten, Stabilität und regenerative Eigenschaften.
Wie funktioniert die Knochenregeneration?
Knochenersatzmaterialien sind in der Regel osteokonduktiv, das heißt, sie dienen als Gerüst für das Einwachsen neuer Knochenzellen. Einige Materialien sind zudem osteoinduktiv, was bedeutet, dass sie aktiv die Neubildung von Knochenzellen anregen.
 

Ablauf der Knochenheilung:

 
  • Auffüllung des Defekts mit Knochenersatzmaterial
  • Blutgefäße und Osteoblasten wandern ein
  • Langsame Umwandlung in körpereigenen Knochen
    Vollständige Integration in das natürliche Gewebe
Je nach Material dauert dieser Prozess zwischen wenigen Monaten und einem Jahr.
 

Welche Vorteile bietet Knochenersatzmaterial?


Ermöglicht Implantationen selbst bei geringem Knochenangebot
Minimiert den chirurgischen Aufwand im Vergleich zu Eigenknochen
Fördert eine sichere und vorhersehbare Knochenregeneration
Reduziert das Risiko von Implantatverlusten


Wann wird welches Knochenersatzmaterial eingesetzt?


Die Auswahl des richtigen Materials hängt von der Defektgröße, dem Behandlungsziel und individuellen Patientenfaktoren ab. Während synthetische Materialien sich besonders für kleine Defekte und schnelle Resorption eignen, bieten xenogene oder allogene Materialien eine stabile Grundlage für größere Augmentationen.